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Wie wird mein Kind zweisprachig? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Moni   
Donnerstag, den 26. Februar 2009 um 00:00 Uhr

 Tipps und Tricks für alle Eltern, die ihre Kinder mehrsprachig aufwachsen lassen wollen

Zweisprachigkeit ergibt sich leider nicht nebenher und von alleine. Wer in einer monolingualen Gesellschaft wie der japanischen lebt, wird als Nichtmuttersprachler der Umgebungssprache (z.B. als Deutscher in Japan) schnell merken, dass Kinder die schwache Sprache (Deutsch) nur schlecht erlernen, wenn man nicht besondere Anstrengungen unternimmt. Diese besonderen Anstrengungen werden vielleicht von der Umgebung kritisch  beäugt 

, belächelt oder als etwas ganz Besonderes gelobt werden, doch was ist natürlicher, als mit seinem Kind in der eigenen Muttersprache zu kommunizieren? Nicht nachzulassen und nicht aufzugeben mag oft schwer sein, doch der Lohn Ihrer Konsequenz und Unbeirrbarkeit wird für das Kind und die ganze Familie ein unbezahlbares Geschenk sein.

Was kann ich tun, wenn mein Partner kein Deutsch versteht?

Als günstigstes Prinzip hat sich OPOL (one person, one language) erwiesen. Jeder Elternteil spricht mit dem Kind in der eigenen Muttersprache. Damit sich kein Familienmitglied beim Tischgespräch ausgegrenzt fühlt, kann manchmal übersetzt oder zusammengefasst werden. Wenn man als Einzelner in der Familie gegen die Übermacht des Japanischen kämpft, kann das auf die Dauer sehr zermürbend sein, vor allem wenn das Kind beginnt, nicht mehr auf Deutsch zu reagieren, sich verschließt, nur noch auf Japanisch antwortet und dem Elternteil vorwirft, wie langweilig, peinlich etc. Deutsch doch sei. Lassen Sie es nicht so weit kommen, denn das Kind wird in den ersten Lebensjahren nicht gegen Deutsch rebellieren, sondern auf Ihrer Seite sein, weil es mit seinen Eltern kommunizieren möchte. Nutzen Sie diese ersten Jahre und versuchen Sie vor allem, Ihren Partner rechtzeitig vom Nutzen und der Notwendigkeit der Mehrsprachigkeit zu überzeugen. Aufgeben mag oft als der einfachere Weg erscheinen, aber die meisten Kinder oder Jugendliche fangen doch irgendwann an, nach ihren „Roots“ zu suchen. Wenn sie dann entdecken, wie schwer Deutsch als Fremdsprache zu erlernen ist, werden Sie sich möglicherweise arge Vorwürfe einhandeln, weil Sie „damals einfach so aufgegeben haben“.

 

Sollte mein Partner auch auf Deutsch umschalten, wenn er die Sprache beherrscht?

Das ist nicht in jedem Fall ratsam. Es ist zwar nicht gesagt, dass das Kind dadurch auch „mischen“ oder sich Fehler aneignen wird, aber es reicht, wenn das Kind weiß, dass der Partner auch Deutsch versteht bzw. spricht. Eine große Hilfe zum Erreichen von Zweisprachigkeit ist eher, Deutsch als „Familiensprache“ einzuführen. Das heißt, mit dem Kind spricht jeder in der eigenen Muttersprache, aber zueinander sprechen die Eltern auf Deutsch.

 

Mein Partner und ich sprechen beide kein Japanisch. Wird mein Kind trotzdem in Kindergarten und Schule zurecht kommen?

Um die Umgebungssprache muss man sich in diesem Fall keine Sorgen machen. Ihr Kind wird in Schule oder Kindergarten kaum andere deutschsprachige Kinder finden, sodass es früher oder später hervorragend Japanisch sprechen wird. Wenn es sich lange genug in diesem Umfeld aufhält, wird Japanisch von ganz allein seine „starke“ Sprache werden.

 

Wie verhalte ich mich, wenn andere Kinder oder Eltern dabei sind, die kein Deutsch sprechen?

Auch wenn man Ihnen mit Neugier, Unverständnis oder Vorwürfen begegnen sollte – nehmen Sie hier keine falsche Rücksicht auf Ihre Umgebung. Wenn es nötig sein sollte, können Sie Ihre Situation erklären, für Anwesende übersetzen etc., aber Sie sollten sich nicht dazu nötigen lassen, zu Ihrem Kind in der Umgebungssprache zu sprechen, nur damit alle Anwesenden das Gespräch verstehen können. Viel Unverständnis rührt nur daher, dass Außenstehende keine Erfahrung mit Mehrsprachigkeit haben. Manchmal genügen einfache Fragen wie „Aber du verstehst doch auch, was deine Mutter zu dir sagt. Wieso wunderst du dich, dass mein Kind meine Sprache versteht?“ oder „Würden Sie mit Ihrem Kind Englisch sprechen, wenn Sie in Amerika lebten?“ etc., um bei Ihrem Gegenüber Verständnis zu erreichen.

 

Ich spreche nur Deutsch mit meinem Kind, aber es antwortet immer auf Japanisch. Was kann ich noch tun?

Viele Eltern haben einfach nicht die Zeit, ihrem Kind den ganzen Tag Bücher vorzulesen, gemeinsam zu singen und Geschichten zu erzählen, und was man sich noch an sprachlichem Input vorstellen kann. Man kann aber versuchen, den überwältigenden japanischen Input etwas zu reduzieren. Wenn das Kind den ganzen Tag im japanischen Kindergarten war, muss es nicht sein, dass am Abend auch noch japanische Kindersendungen im Fernsehen geguckt werden. Diese können durch deutschsprachige DVDs, Lieder und Hörspiele gut ersetzt werden. Auch wenn man grundsätzlich gegen Medienberieselung ist, sollte man wissen, dass sie auch ein äußerst mächtiger Verbündeter im Kampf um die Mehrsprachigkeit sein kann. Da Bestellungen aus dem Ausland teuer sind, sollen die „Mediathek“ und die „Leihbücherei“ der Mausgruppe hier ein wenig helfen.

Wer die Möglichkeit hat, mit seinem Kind die Ferien in Deutschland zu verbringen, kann dort vielleicht erleben, dass es plötzlich „Klick“ macht und das Kind auf einmal Deutsch spricht. Auch Besuche von der Oma oder ein deutschsprachiges Au-Pair können so einen Effekt haben. Manchmal braucht es einfach ein bisschen Mut und Phantasie.

 

Meine Kinder sprechen zwar mit mir Deutsch, aber untereinander Japanisch. Was kann ich tun?

Der Einfluss älterer Geschwister ist meist ein erheblicher Faktor. Wenn Ihre Kinder es gewohnt sind, „draußen“ miteinander auf Japanisch zu sprechen, werden sie diese Gewohnheit auch zu Hause fortsetzen. Sorgen Sie dafür, dass das Zuhause (ebenso wie die Mausgruppe) zumindest teilweise als deutsches Umfeld verstanden wird. Ermuntern Sie ältere Geschwister, mit den jüngeren Deutsch zu sprechen, denn das ist oft nur eine Frage der Gewohnheit. Wenn Sie es verständlich begründen („weil er/sie sich sonst nicht mehr am Telefon mit der Oma unterhalten kann“ etc.), wird Ihr Kind Ihre Bitte sicher verstehen.

 

Wenn Sie sich mehr mit anderen Eltern in ähnlicher Situation austauschen wollen, können Sie bei folgender Mailingliste Mitglied werden:

http://de.groups.yahoo.com/group/Sprachmaeuse/

 

Literatur zum Thema:

Elke Montanari: Mit zwei Sprachen groß werden

Vassilia Triarchi-Herrmann: Mehrsprachige Erziehung

Barbara Abdelilah-Bauer: Zweisprachig aufwachsen

 

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Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 11. Juni 2010 um 13:30 Uhr